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Zusammenspiel mit dem Partner

Vielleicht wunderst du dich, dass ich immer noch bei ganz profanen Sachen bin? Das ist Absicht. Wenn du die ersten drei Kapitel aufmerksam gelesen hast – war dir das alles bekannt? Wie viele Informationen ganz ohne Ansagen nur aus der Spielweise heraus übermittelt werden können? Grundgedanke des Spieles ist: wie macht meine Partei möglichst viele Stiche mit möglichst vielen Augen? Dazu braucht man keine Granate auf der Hand, dazu braucht man Köpfchen.

Meine Partei, nicht ich!!! In einem Normalspiel habe ich immer einen Partner. Und in einer guten Partnerschaft unterstützt man sich, wo es nur geht. Nirgendwo wird dies so gefordert und belohnt wie beim Doko nach DDV-Regeln. Wenn du dies im Hinterkopf behältst, bist du auf deinem Weg schon ein gutes Stück vorangekommen.

Rufen wir uns wieder einmal den „normalen“ Spielablauf ins Gedächtnis: Zu Beginn werden die Fehlfarben geklärt, zum Ende des Spieles entscheiden regelmäßig die Trümpfe die Stiche. Je mehr und höhere Trümpfe deine Partei (du oder dein Partner) am Schluss hält, desto besser läuft der Endspurt. Profan gesagt: wer seine schlechten Karten los wird und seine hohen Trümpfe schonen kann, ist besser dran. Und wie erreichst du das? Hier kommt die Sitzposition zu deinem Partner ins Spiel. Sobald du weißt oder zumindest stark vermutest, wer dein Partner ist, kannst du unterschiedliche Spieltaktiken anwenden. Und solche bewährten Spieltaktiken in Abhängigkeit von der Sitzposition der Partner stelle ich dir jetzt vor:

Faustregel Nr. 8:

Ich spiele keine Fehlfarbe an, die hinter meinem Partner mitgestochen wird.


Diese Faustregel habe ich ja weiter oben bereits erwähnt und mit Beispielen erläutert. Durch das Anspiel einer Fehlkarte wird mein Blatt zwar besser, aber ich koste regelmäßig meinen Partner einen höheren Trumpf, der später vielleicht fehlt. Der Gegner dagegen, der hinten sitzt, sucht es sich aus: liegen viele Augen im Stich, hat sich der Einsatz eines hohen Trumpfes gelohnt; sind es nur wenige Augen, wird er seinerseits Fehl abwerfen und so sein Blatt aufwerten. So ein Ausspiel darfst du höchstens in Betracht ziehen, wenn dies durch besondere Umstände gerechtfertigt ist. Im nächsten Video zeige ich dir eine solche berechtigte Ausnahme:
Video: Vertraue dem Partner - auch unerwartete Karten müssen keine Fehler sein!

Faustregel Nr. 9:

Ich spiele keine Fehlfarbe an, die ich allein noch habe.


Quasi die Verschärfung von Faustregel Nr. 4. Im Kapitel „Partnererkennung – sinnvolles Weiterspiel“ habe ich dir das schon erläutert. Ein Gegner wird stechen/überstechen, einer abwerfen. Und so günstig Augen bekommen und sein Blatt aufwerten. Dein Partner dagegen kann sein Blatt nicht aufwerten. Hier habe ich dafür noch einmal zur Abschreckung ein Beispiel für dich:
Video: Spiele keine Farbe an, die nur du noch hast.

So ein Ausspiel kann nur sinnvoll sein, wenn der Gegner ohnehin trumpfvoll ist, dein Partner unbedingt Fehl abwerfen soll. Beispielsweise wenn der Gegner k6 oder tiefer abgesagt hat oder deinem Partner aufgrund des Abwurfs später einen Stich sichert. Ähnlich wie im 1. Video oben.

Faustregel Nr. 11:

Auf Standkarte des Partners abwerfen.


Doppelkopf ist ein Partnerspiel. In einer Partnerschaft vertraut man sich. Ich wiederhole mich, aber das ist der wichtigste Grundsatz überhaupt. Wenn ich nach Faustregel 8 und 9 keine kritischen Fehlfarben anfasse, sollte dies auch mein Partner nicht tun. Er wird also nur Farben anfassen, die aus seiner Sicht lauffähig sind. Bin ich in der Farbe frei, bietet sich mir die Möglichkeit, mein eigenes Blatt aufzuwerten, indem ich einen anderen Fehl abwerfe. Auch wenn es dich noch so sehr juckt, da deinen Fuchs nach Hause zu bringen: Erst geht es darum, das Spiel zu gewinnen, Sonderpunkte sind nachrangig! Bei Re-k9 z.B. machst du 5 Punkte bei Spielgewinn, hast also immer noch 4 Gute, wenn dein Fuchs beim Gegner landet. Verlierst du, weil du deinen Fuchs unbedingt retten willst, bekommt Kontra 5 Punkte. Schlappe 9 Punkte Unterschied. Fuxangst (oder auch Charly-Geilheit, wie viele das nennen) hat schon so manches Spiel gekostet. Ist es das wert?

Wenn ich meinen Partner absteche, dann um zu zeigen, dass ich trumpfvoll bin. Eine wichtige Information für ihn, nun nur noch Trumpf zu spielen. Denn seine restlichen Fehlkarten kann er später auf meine Trumpfstiche abwerfen. Z.B. wenn auch der Gegner nur noch Fehl hat...

Video: Traue dem Partner - er wird keine verseuchte Farbe anspielen.

Und das ist auch schon die Überleitung zur nächsten Faustregel:

Faustregel Nr. 12:

Sehe ich, dass mein Partner nur noch Trumpf hat, spiele ich nur noch Trumpf an.


Ein ganz beliebter Fehler bei Anfängern: sie sehen nur ihre eigenen Karten. Und spielen fleißig Fehl aus, damit ihr Blatt „schöner“ aussieht. Du auch?

Bei ungleichmäßiger Verteilung der Trümpfe gibt es einen oder maximal zwei Spieler, der 8 oder mehr Trümpfe hat. Oder so formuliert: Habe ich 8 Trümpfe und die anderen Trümpfe sind gleichmäßig unter den drei anderen Spielern verteilt, haben die jeweils 6 Trümpfe. Spielst du als mein Partner nur Trumpf an, wertest du mein Blatt auf. Weil ich dann zwangsläufig die beiden letzten Stiche mache. Spielt du aber Fehl, wertest du höchstens die Gegner auf. Weil diese entweder bedienen oder abwerfen und ihre Trümpfe ebenfalls bis zum Schluss behalten.

Bei der Gelegenheit habe ich noch einen weiteren Tipp für dich: Trumpfverabschiedung.

Als schwächerer Partner kann ich dabei meinem stärkeren Partner so anzeigen, dass ich gleich keinen Trumpf mehr habe: als vorletzten Trumpf erst den höheren (möglichst eine Standkarte dafür aufheben) und dann als Letztes den kleineren Trumpf vorspielen. Ich „verabschiede“ mich vom Spiel, den Rest möge mein Partner bitte selbst erledigen. Der Vorteil ist: ich verhindere, dass ich noch einmal an den Stich komme und womöglich einen „versauten“ Fehl anspielen muss. Das sieht real so aus:
Video: Trumpfverabschiedung (Partner - das war's mit meinen Trumpf)

Faustregel Nr. 13:

Ich zwinge meinen Partner möglichst nicht zu einem hohen Trumpf.


Ahnst du schon, worauf ich hinaus will? Doppelkopf ist ein Positionsspiel. Wenn hinter meinem Partner ein oder zwei Gegner sitzen, vermeide ich es nach Möglichkeit, ihm einen Vollen oder gar Fuchs vorzuspielen. Das fällt unter Nötigung. Fuchs vor, Dulle weg – der Gegner freut sich. Besser ist es zu warten, bis mein Partner in einem anderen Stich an Position 4 sitzt. Und natürlich hat auch diese Faustregel ihre Ausnahme: z.B. bei Spielbeginn, wenn noch Fehlfarben zu klären sind. Erinnern wir uns nochmal an Faustregel Nr. 7: Dulle sollte 30 Augen bringen oder schwarze Dame des Gegners übertrumpfen – Folgestiche eingerechnet.
Video: Doko als Positionsspiel

Bei Spielen, in denen 2 Partner zwar alle hohen aber nicht besonders viele Trümpfe haben, kann das Vorspiel von Fehlvollen zu den hohen Trümpfen des Partners dagegen durchaus sinnvoll sein. Oder wenn es bei tieferen Absagen ohnehin gilt, die Gegner trumpfarm zu spielen und meine Partei die Trumpfhoheit hat. Wieder ein Beispiel, dass im Doppelkopf fast jede Regel auch ihre Ausnahme hat. Aber dadurch bleibt das Spiel ja auch nach Jahren noch spannend und voller Überraschungen!

Faustregel Nr. 14:

Ich steche nur vor, wenn dies zur Entlastung des Partners sinnvoll ist.


Noch ein Stichwort beim Partnerspiel: Entlastung des Partners. Kannst du auch unter „sinnvollem Trumpfeinsatz“ vermerken. Was bedeutet das?

Normalerweise ist es ja am besten, wenn man den Gegner in die Zange nimmt. Sitzt im laufenden Stich mein Partner hinter mir, so sollte möglichst er den Stich mitnehmen, damit ich im nächsten Stich die – bessere – hintere Sitzposition erlange. Statt also eine Dame zu verschwenden, bleibe ich regelmäßig klein, wenn mein Partner im Stich hinter mir sitzt. Bis ich merke, dass mein Partner keine hohen Trumpf mehr hat. Von wegen „wer kann der soll“ – diesen Spruch aus dem Kneipendoko vergiss bitte ganz schnell. Gutes Doppelkopf hat viel mit Positionsspiel zu tun.
Video: Doko als Positionsspiel II

Und gleich die Ausnahme hinterher: Wenn die Trümpfe ungleich verteilt sind, kann es zur Entlastung des trumpflängeren und –stärkeren Partners auch sinnvoll sein, wenn der schwache Partner unabhängig von der Sitzposition vorsticht. Wenn z.B. Fehl ausgespielt wurde, welches beide Partner stechen. Oder auf einen kleinen Trumpf (Karo9 oder Bube) eine hohe Dame, um möglichst billig hohe Damen des Gegners zu locken. Umso wertvoller sind anschließend nämlich die Damen meines starken, trumpflangen Partners.
Video: Keine Regel ohne Ausnahme - Vorstechen ausnahmsweise richtig

Faustregel Nr. 15:

Solange ich bei meinem Partner hohe Trumpf weiß oder vermute, ziehe ich nicht von oben!


Ist dir schon einmal von deinem Partner die Redame oder Dulle mit der Dulle gezogen worden? Peinlich…und deshalb versuche ich es tunlichst zu vermeiden. Wenn ich weiß, dass mein Partner noch die Redame/Dulle hat (bei Kontra: die Blaue/Dulle haben könnte), spiele ich möglichst nicht meine Trümpfe von oben nach unten runter. Es sei denn, ich weiß sicher, dass ich den Damenstich meines Partners nicht mehr benötige. Weil ich alle Reststiche mache.




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