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Die Stille Abfrage

Hinweis:

Die „stille Abfrage“ als taktisches Mittel zur Spieloptimierung ist nicht unumstritten. Sie hat sich zwar in den letzten Jahren mehr oder weniger durchgesetzt, wird aber von einigen als Kartenverrat angesehen und deshalb konsequent ignoriert. Deshalb gilt: Es ist ausschließlich deine Entscheidung, ob du „mit“ oder „ohne“ spielen willst. Und du hast auch die Entscheidung deiner Mitspieler in dieser Frage zu akzeptieren - ohne wenn und aber.

Faustregel Nr.25:

Die erste stille Abfrage im Ansagezeitraum darf bei unbestimmter Parteizugehörigkeit nur von der Kontrapartei ausgehen.


„Es begab sich aber, dass mit diesem Blatt
das Pikass aufgespielt wurde. Es wurde mit einer 9 und einem König bedient. An 4. Position saß ein Spieler mit folgendem Blatt
Was tun? Stechen? Es wurde jeweils nur mit einem kleinen Pik bedient. Position 4 überlegt. Könnte der Ausspieler etwa mein Partner sein? Dann könnte ich den blanken Kreuzkönig abwerfen und wir gewinnen sicher…
Der Ausspieler wurde ungeduldig. Was überlegte Position 4 so lange? Er würde doch nicht stechen? Der Ausspieler hatte ja die beiden anderen Asse auch noch. Der Ausspieler gab sich einen Ruck, als Position 4 ihn auch noch anschaute: Kontra!“


So oder ähnlich ist aus Wunschdenken und Überlegungen heraus die stille Abfrage entstanden: Jemand hat überdurchschnittliche Karten und entweder sowieso ein Kontra auf der Hand oder ist kurz davor. Fehlt sozusagen nur noch ein i-Tüpfelchen beim Partner (Stich, Dulle, Asse), um mit relativer Sicherheit das Spiel zu gewinnen. Fast das Kontra-Äquivalent zur Dullenkonvention oder?

Da diese „Überlegung“ online ja nicht sichtbar ist, können Spieler, die dieses taktische Mittel nutzen möchten, in ihrem Profil „mit Abfrage“ anklicken. Und immer dann, wenn sie ähnlich der vorbeschriebenen Situation ihr „Überlegen“ deutlich machen wollen, den Button „zögern“ anklicken. Es erscheint für alle am Tisch sichtbar „es wird überlegt“.

Bei ungeklärter Partnerschaft darf zunächst nur ein Angehöriger der Kontrapartei "zögern". Hinweis: Bei Hochzeit bzw. wenn z.B. durch Dullenvorspiel jemand als Re klar für alle erkennbar ist, darf auch dieser an seinen Partner eine stille Abfrage stellen!

Bevor nun jemand auf die Idee kommt, jedes Mal zu zögern, wenn er Kontra ist: Vorsicht!

Faustregel Nr. 26:

Eine Information über das eigene Blatt wird dann (und nur dann!) freiwillig gegeben, wenn hierdurch die Gewinnaussichten für die eigene Partei erhöht werden!


Die stille Abfrage ist genauso ein zweischneidiges Schwert wie die Dullenkonvention. Jeder am Tisch weiß nun, dass der Zögernde der Kontrapartei angehört. Und der Zögernde muss bedenken, dass er nur nach wenigen bestimmten Karten fragt. Du brauchst also schon einen eigenen Erwartungswert von rund 70 Augen, um eine solche stille Anfrage zu stellen. Denn eine unbeantwortete Frage erhöht auch die Gefahr einer (Gegen-) ansage…

Zögern vor Ausspiel

Dies ist die Frage an Position 2 nach Farbkontrolle (Ass oder Chicane) in beiden schwarzen Farben und die Frage an Position 3 und 4 nach einer Dulle plus lauffähigem Ass. Zum Beispiel als Ausspieler mit diesem Blatt:
Bei Antwort des Partners an Position 2 kann von Fehlkontrolle in allen Farben ausgegangen werden. Auch mit einer Dulle an Position 3 oder 4 mit einem schwarzen Ass kann das Spiel eigentlich nur noch gewonnen werden. Herz-D-Ass läuft ja nicht weg.

Zögern auf angespieltes Fehlass

Dies ist die Frage an den Stichinhaber, ob er Kontra ist bzw. die Frage an einen weiter hinten sitzenden Partner, ob er dieses Ass stechen kann.

Dieser Spieler wird mit Sicherheit auf ein ausgespieltes Kreuz- oder Pikass fragen, aber auch bei Trumpfausspiel, ob sein Partner hinter ihm sitzend eine Dulle hat bzw. den Stich bekommen wird.

Zögern auf Trumpfausspiel

Frage an den weiter hinten sitzenden Partner, ob er Dulle hat bzw. den Stich bekommen wird. Sitzt du an Position 2, ist es die Frage auf Dulle. Dann kannst du selbst einen Karovollen legen, dein Partner ggf. eine schwarze Dame des Gegners fangen. Sitzt du an Position 3, sparst du bzw. dein Partner die Dulle. Es muss ja nur der bereits liegende Trumpf übernommen werden, außerdem überhackt ihr euch nicht. Es ist auch zugleich die Frage an Position 2, wenn dieser bereits eine Dulle gesetzt hat, ob er Kontra ist.

Dieser Spieler hat immer eine Ansage auf der Hand, wenn er die Spielinitiative erhält. Was liegt da näher, als sich bei Trumpfanspiel schon mal nach Zusatzstärken beim Partner in Trumpf zu erkundigen und dann auch leicht die k9 zu finden?

Zögern auf Fehlanschub

Partner sitzt du hinter mir und erhältst sicher diesen Stich (je nach Sitzposition Ass/D-Ass, Chicane)?

Wird hier zum 1. Stich Kreuz ausgespielt, kann dieser Spieler bei positiver Antwort Pik10 abwerfen und kontrolliert beide schwarzen Farben. Und der Ansager kann weitere vorhandene Asse spielen. Kommt kein Kontra, sticht der Spieler und kann noch einmal seinen Partner nach dem besten Weiterspiel fragen.

Es fällt auf, dass hier fast immer überdurchschnittliche Trumpflänge und/oder 1-2 Farbkontrollen gegeben sind. Wenn da der Partner die „Frage“ mit „ja“ beantworten kann, wird das Spiel bei normaler Verteilung immer sicher gewonnen. Und der starke Kontrist kann seine hohen Trümpfe schonen, das Spiel ganz anders dirigieren. Auch wenn keine Antwort gegeben wurde, ist es eine Einladung an den Partner bzw. eine wertvolle Information über das Blatt des Fragenden: er hat überdurchschnittliche Karten, selbst wenn es kein eigenes Kontra wert ist. Da braucht dann auch der Partner kein Blatt mit einem Erwartungswert mit 85 Augen, um die Ansage zu treffen. Die Spielinitiative reicht vielfach, wenn man nur den Partner erreicht. Das siehst du auch sehr schön an diesem Beispiel:
Video: Stille Abfrage mit Doppeldulle

Auch wenn man die gefragte Karte nicht hat, aber innerhalb des Ansagezeitraumes an den Stich kommt oder andere Stärken hat, ist die Ansage fällig, z.B. in diesem Fall:
Video: Blatteinschätzung des Partners nach erfolgter Abfrage nicht konsequent genutzt

Zur Erinnerung:

Faustregel Nr. 21:

Eine von einem Partner geforderte Antwort wird grundsätzlich gegeben


Das fällt manchmal gar nicht so leicht, vor allem, wenn man selbst unterdurchschnittliche Karten hat. Doppelkopf nach DDV-Regeln ist nun einmal ein Partnerspiel. Vertrauen ist da manchmal alles. Wenn du dir das Wissen um die Faustregeln aneignest, werden dir deine Mitspieler vertrauen. Weil sie wissen: auf dich kann man sich verlassen. Das Gleiche gilt auch für dich. Merkst du, dass jemand verlässlich spielt und abfragt, fällt dir die Antwort auch mit unterdurchschnittlichen Karten auf der Hand leicht.

Faustregel Nr. 27:

Die stille Abfrage darf jeder stellen, dessen Parteizugehörigkeit wahrscheinlich ist.


Sobald die Partnerschaft geklärt ist oder die Parteizugehörigkeit des Fragenden ist wahrscheinlich, darf man seinem Partner eine immer eine stille Anfrage stellen:
Video: Spannendes Spiel mit stiller Gegenfrage

Die Parteizugehörigkeit muss dabei nicht sicher, aber wahrscheinlich sein. Also nimm bitte Abstand von Fragen, wenn nicht für jeden am Tisch verständlich ist, welcher Partei du tatsächlich angehörst.

Du hast ja schon gemerkt, dass die verschiedenen „Werkzeuge“ bei Doppelkopf auch oft miteinander verknüpft werden oder? Bislang habe ich dir stille Abfragen bei Spielanfang erläutert. Man kann sie aber im gesamten Ansagezeitraum verwenden, indem man nach eine Ansage weiteren bestimmten Karten (z.B. nach Blauer, wenn der Dullensitz geklärt ist; Farbkontrollen usw.) fragt. Dafür gibt es keine „Anleitung“, da ist selbständiges Denken angesagt: Was könnte mein Partner jetzt von mir wissen wollen, nach welcher Zusatzstärke fragt er mich? Erkennst du den Sinn der Frage und kannst sie mit „ja“ beantworten, erfolgt die Antwort als Absage der nächsten Stufe. Wie in diesem Beispiel:
Video: Stille Re-Abfrage nach Zusatzstärken

Aber denke auch daran:

Faustregel Nr. 28:

Jede Spieltaktik ist nur so gut, wie sie von meinem Partner auch verstanden wird.


Überhaupt, die lieben Mitspieler, die dafür verantwortlich sind, dass deine Tischkante schon etliche Beißspuren aufweist…es ist zwecklos und ungesund, sich über Spielfehler der Mitspieler aufzuregen. Beobachte sie und schätze ihre Spielstärke ein. Du wirst schon nach einigen Spielen merken, ob und welche der Faustregeln ihnen bekannt sind. Und schwächere oder ungeübte Spieler nach dem Spiel – oder gar im Spiel – für echte oder vermeintliche Spielfehler anzumachen, führt nur zu Streit oder persönlichen Beleidigungen. Besser ist es, sie nett darauf hinzuweisen, dass sie sich hier Tipps zur besseren Spielweise nachlesen können. Oder gemeinsam mit ihnen die Spiele zu analysieren. In Ruhe und ohne erhobenen Zeigefinger. Niemand spielt absichtlich schlecht. Und viele sind dankbar, wenn man ihnen Zusammenhänge erläutert.

Übrigens: Wenn man sich die Spiele im Nachhinein offen oder verdeckt aus anderer Perspektive anschaut, dann ist die Spielweise des Partners oft gar nicht mehr so verkehrt wie zunächst angenommen und man entdeckt auch Fehler in der eigenen Spielweise. Das berühmte Glashaus ist gar nicht so weit entfernt wie man annimmt.

live-doko.de bietet auf Anfrage den Usern, die z.B. die Faustregeln üben möchten an, mit erfahrenen Spielern abseits vom Ligenbetrieb Trainingsrunden zu spielen, in denen man praktisch erfahren kann, wie fundiertes Doppelkopf zu einem völlig neuen Spielgefühl führt. Hast du daran Interesse, schick uns einfach eine E-Mail an info@live-doko.de, um Näheres zu erfahren.




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