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Solo: Kontrastrategien


Wie man welches Solo spielt, ist Erfahrungssache. Wenn du Soli üben möchtest: Bei live-doko.de kannst du unter „Listen“ ganz „normale“ Runden nach den Turnierspielregeln des DDV spielen. Eine Runde mit 4 Spielern besteht dabei aus 20 Normalspielen und je einem Pflichtsolo pro Mitspieler. Vorteil des Pflichtsolos: Du hast Ausspielrecht.

Im Liga-Betrieb dagegen gibt es nur Lustsoli ohne Ausspielrecht. Deshalb möchte ich dir hier nur ein paar Tipps für die Kontrapartei geben, die sich bewährt haben.

Fleischloser

Beim Fleischlosen kommt es darauf an, möglichst die Vollen den Partnern zu reservieren, nicht dem Solisten. Wenn du nur 3-4 Volle hast, der Solist aber 8 Stiche bekommt, hast du dir beim Standard-Ass-Solo (eine lange Farbe des Solisten, ein oder mehrere Seitenasse) entweder alle blankgespielt oder schon zwei dem Solisten gegeben, um wenigstens die anderen beiden nachhause zu bekommen. Um dieses „Zufallsprinzip“ zu unterlaufen, hat sich die Ass-Signal-Konvention entwickelt. Man zeigt seinen Mitspielern, welche Asse in welchen Farben man selbst hat. Und schaut zugleich, welche Asse die anderen zeigen.

Ass-Signal-Konvention

Und wie? Irgendwann musst du die lange Farbe des Solisten nicht mehr bedienen. Und bist frei in deinen Abwürfen. Und da setzt die Ass-Signal-Konvention ein. Simpel gesagt bedeutet ein Abwurf in einer Farbe mit anschließendem Farbwechsel, dass man in der ersten Farbe ein Ass hat. Und du wechselt so oft die Farbe, wie du Asse hast. Haben auf diese Weise zwei Spieler in einer Farbe das Ass gezeigt, kann jeder sich die Vollen in dieser Farbe blank stellen.

Klingt einfach oder? Leider gibt es da ein Hindernis. In der Praxis wirst du oft sehen, dass du in einer Farbe Ass-klein hast. Du kannst also das Ass nicht zeigen ohne es dir zugleich blank zu stellen. Genauso bei Ass-10-klein – wirfst du den Kleinen weg, hast du dir die 10 blank gestellt. Um das zu vermeiden, ist man auf einen weiteren Trick gekommen: Solche Asse zeigt man durch einen hoch-tief-Abwurf in einer anderen Farbe, z.B. Bube-9.

Anders herum gesagt: Du musst schon aufpassen wie ein Schießhund, wer was in welcher Reihenfolge abwirft, um rauszukriegen, welche Asse denn nun bei deinen Partnern sitzen, welche Vollen in welcher Farbe du dir risikolos blank stellen darfst.

Und wenn du auf diese Weise alle Asse gezeigt hast, musst du deinen Mitspielern auch noch sagen: so, das war es, weitere Asse habe ich nicht. Dies tust du, indem du entweder zu einer „früheren“ Farbe zurückkehrst oder in einer Farbe tief-hoch (z.B. 9-Bube) abwirfst.

Fangen wir mal mit Beispielen an:

Hier ist es noch ganz einfach: Ist Pik die lange Farbe des Solisten, wirfst du ab dem 3. Stich KaroBube – KreuzBube - KaroDame ab. Damit hast du nach dem 5. Stich beide Asse gezeigt, aber noch keinen Vollen blankgestellt. Und du schaust zugleich, ob einer der Partner ebenfalls Kreuz- oder Karo-Ass zeigt (bzw. beide Herzasse gezeigt wurden). Denn ab dem 6. Stich musst du dir den ersten Vollen blankstellen.

Dieser Spieler dagegen hat ein Problem. Ist Kreuz die lange Farbe des Solisten, kann er weder Pik- noch Herzass zeigen, ohne sich Pikass bzw. Herzass-10 blank zu stellen. Hier hilft das hoch-tief-Signal gleich doppelt. Er wird ab dem 3. Stich Karo abwerfen, und zwar Dame (hoch) – Bube (tief) – 9 (noch tiefer) – König. Und zeigt damit 2 Asse in anderen Farben.

Entwicklungssolo

Da es bei live-doko nur Lustsoli ohne Ausspielrecht gibt, wird hier viel öfter ein Entwicklungs-Ass-Solo gespielt. Der Solist hat in verschiedenen Farben unterschiedlich lang besetzte Asse. Oft mit einer Zehn dabei. Also muss es Ziel der Kontra-Partei sein, ihm nach Möglichkeit diese sogenannten Stellungen (Ass, 10, x, x) nicht hochzuspielen.

Faustregel 29:
Beim Solo werden nur lang besetzte Asse vorgespielt, bei denen der Ausspieler auch eine Zehn hält.
Lange Asse ohne 10 werden (wenn überhaupt!) nur mit Anzögern vorgespielt.

Faustregel 30:
Beim Solo wird dem Partner auf ein ausgespieltes Ass das Ass zugelegt.

Faustregel 31:
Beim Solo werden keine blanken Asse vorgespielt.


Je länger das ausgespielte Ass bei dir ist, desto wahrscheinlicher hat der Solist diese Farbe nur kurz oder gar nicht. Die Gefahr, ihm dadurch eine Stellung hochzuspielen, ist gering. Und wenn du in einer langen Farbe Ass mit 10 hast, umso besser. Deshalb gilt auch Faustregel 30: auf ein ausgespieltes Ass bitte das Ass dazugeben, damit der Ausspieler weiter diese (bei ihm längere) Farbe nachspielen kann. Weiterer Vorteil: die Partner können durch Abwürfe wiederum weitere Asse signalisieren. Asse in einer langen Farbe ohne 10 spiele deshalb auch nur nach Warnzögern aus, damit da kein Partner sein Ass dazulegt. Umgekehrt: wird ein Ass mit zögern ausgespielt und du hast das andere, zöger auch du kurz, damit dein Partner diese Farbe nachspielt.

Aus den gleichen Gründen verbietet sich auch das Vorspiel eines blanken Asses. Selbst auf die Gefahr hin, dass dir der Solist das blanke Ass zieht: die Erfahrung hat gezeigt, dass dies nur selten geschieht und der Schaden (= dem Solist lange Farben hochspielen) regelmäßig größer ist als der Nutzen (1 Stich, den du vielleicht sowieso machst, weil der Solist einen kleinen dieser Farbe vorspielt). Natürlich gibt es mal wieder eine Ausnahme: Fehlt euch nur noch ein Stich zum Spielgewinn, spielst du das blanke Ass natürlich vor.

Merk dir vor allem auch: Je länger du eine Farbe hast, desto kürzer dürfte diese Farbe beim Solisten sein. Also spielst du deine längste Farbe an.

Süd hat hier Ausspiel, der Solist sitzt an Position 4 (Ost). Du siehst schon selber: Pikass spielt dem Solisten Ass-10-könig hoch. Hände weg. Genauso Kreuzbube. Auch diese Farbe hat der Solist lang, hofft natürlich, dass die Farbe von Kontra vorgespielt wird und er auf Kreuzkönig einen Stich bekommt. Bleiben also nur Karo oder Herz – die längsten Farben von Süd – über. Und das sind tatsächlich die beiden kürzesten Farben des Solisten. Spielst du Herz oder Karo vor, bringt das den Solisten in arge Bedrängnis, er verliert die Farbkontrolle, denn dein Partner geht auf dein Spiel ein und bringt die Farbe zurück.

Viele Entwicklungssoli entscheiden sich genau an dieser Frage: gelingt es, dem Solisten Farbkontrollen zu entreißen, gewinnt Kontra. Spielt man planlos alle Farben vor, behält der Solist die Farbkontrollen und baut seine Stellungen sogar aus.

Buben-/Damensolo

Die Faustregeln 29 bis 31 gelten selbstverständlich auch für Buben-/Damensoli. Der Unterschied zum Ass-Solo besteht hauptsächlich darin, dass hier die Abwürfe keine Asse anzeigen, sondern schwache Farben. Kleine Karten schwacher Farben auf Stiche des Solisten, Zehnen, die nur ein- oder zweifach besetzt sind (also vermutlich keinen Stich machen können), auf Stiche der Partner. Asse werden nicht gebuttert, es sei denn, man hat in dieser Farbe D-Ass. Also auch keine blanken Asse!!!

Ziel der Kontrapartei bei allen Soli ist es, eigene Stellungen zu entdecken und dem Solisten keine Stellungen hochzuspielen. Diese Strategie hat sich bewährt.

Süd hat hier Ausspiel, der Solist sitzt direkt dahinter. Karo Ass ist nur zu zweit, Finger weg. Kreuzass dagegen ist zu viert, aber leider ohne 10. Und schau dir das Blatt des Solisten an: Gelingt es ihm, mit der Kreuz10 einen Stich zu machen, hat er bei nur 4 Abgebern sicher gewonnen. Deshalb sollte Süd das Kreuzass mit zögern (=Achtung, langes Ass ohne 10) vorspielen. Sonst gibt ihm ja Ost das Kreuzass dazu….Wenn du dir die Karten der Partner anschaust, fällt dir sicher auf, dass dies Solo bereits im ersten Stich sauber zerlegt werden kann oder?

1. Stich: Kreuzass (mit zögern) – Kreuzdame – Herz9 (kontra) – Kreuzdame (mit zögern). =17 Augen

Süd zeigt: langes Ass ohne 10
Nord zeigt: Ich habe mindestens 1 Buben und bin jetzt auch herzfrei. Warum sonst auch sollte er in einen Stich des Partners nicht buttern?
Ost zeigt: ich habe das Kreuzass, spiel die Farbe nach. Auch er buttert nicht, denn die Kreuz10 kann durchaus einen Stich machen, wenn 1 Spieler kein Kreuz hat und der Solist mindestens noch die 10.

Im 2. Stich: wird dann Kreuz nachgespielt, Ost übernimmt (könig-könig-karo10-kreuz10=28 Augen) und zieht dem Solisten

im 3. Stich: die Kreuz10 (Ass-9-10-Karo10= 31 Augen). Anschließend – Nord zeigte ja Herz an – spielt Ost

im 4. Stich: Herz10 vor…(herz10-herzkö-Herzass-bube= 27 Augen). Kontra hat nun 103 Augen liegen und wird noch 2 Stiche machen: einen auf karo, einen weiteren auf die zweite Dulle bei Ost. Keine Chance für den Solisten.

Und noch wichtig bei Buben-/Damensoli:

Faustregel Nr. 32:

Hast du bei Buben/Damensoli drei Volle einer Farbe gesehen, sollst du von der Farbe gehen!


Wer eine Farbe nachspielt, wo im 1. Lauf Ass/Ass/10 oder Ass/10/10 gefallen sind, lädt damit den Solisten zum Abwurf ein. Billiger wird er eine „faule“ Karte kaum los. Besser ist es, dem Solisten möglichst Stiche vorzusetzen, die rund 20-25 Augen wert sind. Da tut der Abwurf weh bzw. wird unmöglich.

Und:

Faustregel Nr. 33:

Du sollst bei Buben/Damensoli als Kontrist keinen Trumpf aufspielen!


Immer wieder erlebt man, dass Kreuz-Bube oder Kreuz-Dame von einem Kontristen ausgespielt werden, weil die sonst ggf. keinen Stich machen („hatte ich blank“).

Aber: der Stich bringt meistens nur 8 bzw. 12 Augen, die in der Regel nicht spielentscheidend sind. Und dadurch wird auch den Partnern Trumpf gezogen. Trumpf, mit denen vielleicht Fehlstiche des Solisten (mit erheblich mehr Augen!) gestochen werden können.

Die Erfahrung zeigt, dass auf lange Sicht die Faustregel Nr. 33 wesentlich vorteilhafter für die Kontra-Partei ist.

Natürlich auch hier eine Ausnahme: Wenn du sicher bist, dass deine Partner keinen Trumpf mehr haben und buttern können….




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