live-doko.de

Die Dullenkonvention

In den ersten Kapiteln hast du ja schon gesehen, dass manche Spielstrategien eher von Kontra oder eher von Re angewandt werden, andere wiederum eher von der Blattstärke abhängig sind. Wer relativ gute oder sehr gute Karten erhält, möchte diese natürlich möglichst ausnutzen, denn: es gibt relativ wenig Spielpunkte pro Spiel.

Aus der Praxis heraus haben sich deshalb zwei Konventionen entwickelt, die die Kommunikation zwischen zwei Partnern unterstützen und zur Spieloptimierung beitragen.

Ganz gezielte Informationen für den Re-Partner enthält die Dullenkonvention:

Faustregel Nr. 23:

Wer im 1. oder 2. Stich die Dulle vorspielt, muss Re sein!


Die Dulle einfach vorspielen? Nach Faustregel Nr. 7 soll eine Dulle doch mindestens 30 Augen bringen oder eine schwarze Dame des Gegners übernehmen…

Als Kontra verbietet sich das Dullenvorspiel eigentlich von selbst, da damit Re fast automatisch die Trumpfhoheit überlassen wird. Solltest du allerdings jemals ausgerechnet die Dulle als einzigen Trumpf erhalten, wird dir sicher niemand „Konventionsmissbrauch“ vorwerfen, wenn du sie einfach vorspielst.

Aber als Re? Klar ist: mit Dullenvorspiel wirst du weder 30 Augen erhalten noch eine schwarze Dame des Gegners. Also reine Verschwendung? Nicht, wenn man dabei ein paar Grundsätze beachtet.

Im Kapitel Ansagen habe ich schon angeführt, dass die Augenausbeute für eine Dulle umso geringer angesetzt wird, je mehr schwarze Damen man selber hat. Das wiederum führt zu der Überlegung: Habe ich zwei schwarze Damen, wird das Dullenvorspiel mein Blatt nicht so sehr schwächen, wenn ich eine durchschnittliche Trumpflänge oder andere Zusatzstärken habe. Und: wenn jeder weiß, dass ein Dullenvorspiel nur von Re kommt, wird mein Partner buttern. Ich sehe, wo er sitzt und kann mein Weiterspiel davon abhängig machen, wo er sitzt und wie ich ihn am besten erreiche. Eine wichtige Information gerade zu Spielbeginn. Kann ich meinen Partner sicher erreichen und er seine Asse spielen, ist das Spiel doch schon halb gewonnen, vorausgesetzt, ich habe selbst durchschnittliche Karten. Merkst du worauf ich hinaus will? Beim Dulleneinsatz werden Folgestiche eingerechnet. Gerade zu Spielbeginn – wenn noch lauffähige Asse beim Partner sind und die Spielinitiative bei der eigenen Partei ist – können so schnell 50 Augen mehr bei euch landen, als ihr unabhängig voneinander (bei normalem Spielverlauf) vorher einkalkulieren konntet.

Deshalb gilt:

Mit Vorspiel der Dulle ohne Ansage im 1. oder 2. Stich outet sich der Ausspieler als Re. Und beschreibt zugleich sein Blatt: meist 6-8 Trümpfe, darunter die Blaue oder beide Herzdamen oder gleichwertige Zusatzstärken (Chicane/Singleton, zeigbares Ass).

Das Vorspiel der Dulle ist eine Einladung an den Partner, mit durchschnittlichem Blatt in folgenden Fällen sofort Re zu sagen: Mit Dulle (und Fehlassen) an Position 3 und 4 (= Partner, spiel mich über Trumpf an). Sitzt der Partner an Position 2, zeigt ein Re nach dem 1. Stich beide schwarzen Asse an (=Partner, schieb mich in schwarzer Farbe an).

Geradezu typisch für ein Dullenvorspiel ohne Ansage im 1. Stich: 7 Trumpf mit Pikdame, blankes Pikass. Ob und mit welchem Trumpf der 2. Piklauf gestochen werden kann ist vorab nicht kalkulierbar. Erwartungswert knapp unter einer eigenen Ansage. Aber dem Partner wird die Ansage selbst mit durchschnittlichem oder überdurchschnittlichen Blatt doch sehr erleichtert, da er diese beiden Stiche und ein durchschnittliches Blatt beim Partner weiß.

Dies Blatt ist ebenfalls gut geeignet für ein Dullenvorspiel ohne Ansage im 1. Stich. 7 Trumpf mit D-Herzdame, als „Bonbon“ herzfrei. Würde an Position 2 nach dem Stich Re gesagt werden (beide schwarzen Asse), erfolgt Anschub Pik10, bei Re an Position 3 oder 4 wird erst Kreuzass nachgespielt und anschließend der Fuchs. Hat der Partner Herzass ebenfalls, kann durch Abwurf von Kreuz der 2. Kreuzlauf ebenfalls für Re gesichert werden. Und: die beiden Herzdamen können auch bei Trumpfstichen Kontra das Leben schwermachen bzw. wenigstens eine Herzdame sogar einen Stich.

Also bitte nicht nach dem Motto: ich bin Re und habe eine Dulle, ich spiele sie mal vor, weil ich nicht weiß, was ich sonst anspielen kann. Doko ist zu einem guten Teil Vertrauenssache. Mit diesem Blatt beispielsweise legst du deinen Partner rein:
Außer auf Dulle (bei Vorspiel und ohne Vollen deines Partners <20 Augen) und Redame (10-15 Augen aufgrund Trumpfkürze) kannst du selbst keinen Stich erwarten. Da ist ein Dullenvorspiel – immerhin die Einladung an deinen Partner, mit nur durchschnittlichem Blatt ein Re zu finden – nicht gerechtfertigt.

Faustregel Nr. 24:

Wer leichtfertig Konventionen missbraucht, wird mit Vertrauensverlust nicht unter 2 Jahren bestraft.


Egal ob du als Kontra einfach die Dulle mal vorspielst oder mehrfach mit unterdurchschnittlichen Karten als Re: Es spricht sich herum. Und dann? Antwortet dir kaum einer mehr. Vergiss nie: Doppelkopf ist ein Partnerspiel. Dein Partner vertraut dir, verwertet dein Dullenvorspiel als gezielte Information über deine Blattstruktur. Wenn du dir einmal die Beschreibung der Dullenkonvention (ohne eigene Ansage) genau anschaust: Da treffen zwei durchschnittliche Blätter aufeinander. Die sich aber zufällig ergänzen und dank der Spielinitiative (Fehl bringen die meisten Augen) ein Spiel zugunsten der Re-Partei entscheiden.

Was aber, wenn der Ausspieler überdurchschnittliche Karten hat? Dann wird er selbst im 2. Stich Re sagen. Unabhängig davon, ob er die Dulle im 1. oder 2. Stich vorspielt.

Mit diesem Blatt solltest du im 1. Stich die Dulle vorspielen. Sagt dein Partner Re (beide schwarzen Asse an 2 oder mit Dulle an 3 oder 4), lässt du erst ihn zum Zuge kommen und sagst selbst k9, wenn er ein Ass spielt. Sagt er nichts, spielst du mit Herzass mit Re nach. Und entscheidest anschließend je nach Sitzposition des Partners, entweder die Kreuz9 bzw. Pik10 anzuschieben oder Trumpf auszuspielen. Dein Partner wird – da du ja Stärke demonstrierst – mit durchschnittlichem Blatt sicher die k9 finden.
Video: Keine-90 Absage nach einladendem Dullenvorspiel

Wenn der Ausspieler noch stärkere Karten hat, die auch die Kriterien für eine vorzeitige Ansage erfüllen, wird er im 1. Stich seine Dulle mit Re vorspielen. Das ist dann keine Einladung mehr an den Partner, sondern der lauten Abfrage gleichgesetzt: Partner, hast du die andere Dulle (bzw. an Position 2 Farbkontrolle in beiden schwarzen Farben), musst du k9 sagen – auf meine Verantwortung. Der Ausspieler hat dann z.B. solche Karten:
oder solche:

Das Dullenvorspiel erleichtert der Re-Partei also durch frühzeitige Information über die eigene Blattstruktur An- und Absagen, ermöglicht es, das gemeinsame Blatt besser auszureizen. Sei es, dass bei zwei durchschnittlichen Blättern überhaupt eine Ansage gefunden wird, sei es, um dem Partner eine Absage mit nur durchschnittlichem Blatt zu erleichtern.




nach oben

Web Template created using Rush Tide.