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Das Ausspiel - die Qual der Wahl?

Doppelkopf ist ein Partnerspiel. Diesen Satz wirst du noch häufiger lesen. Mit Betonung auf „Partner“. Ein Blatt ist immer zusammen mit dem des Partners gut oder schlecht. Also sollte deine Spielweise darauf zielen, das Blatt deines Partners zu stärken, ihn nach Möglichkeit ans Spiel zu bringen. Denn wer die Spielinitiative hat, kann aktiv den Spielverlauf beeinflussen.

Gerade zu Spielbeginn habe ich als Ausspieler die Möglichkeit, entscheidend auf den Spielverlauf Einfluss zu nehmen. Indem ich die richtige(n) Karte(n) auswähle. In einem Normalspiel werden regelmäßig erst vorhandene lauffähige Asse gespielt, aber danach? Oder wenn ich keine Asse habe? Bereits in diesem frühen Stadium gilt es, nachzudenken.

Beim Ausspiel (eigene Asse sind nicht vorhanden bzw. bereits gespielt) geht meine Überlegung deshalb dahin: wie erreiche ich möglichst sicher meinen Partner? Eher über Trumpf oder über Fehl? Wenn Fehl, welche Karte welcher Farbe?

Ich weiß ja weder, wo mein Partner sitzt noch welche Karten er hat, kann nur nach meinen eigenen Karten entscheiden:

Faustregel 1:

Das Trumpfausspiel empfiehlt sich eher bei ausgesprochen guten Blättern (Trumpflänge/-höhe und/oder Stechfarbe), da die Wahrscheinlichkeit einer Ansage erhöht wird.


Wer keinen Plan hat spielt Trumpf…?
Wenn ich Trumpf spiele, ist ja fast immer eine Dulle weg, vielleicht sogar noch ein anderer hoher Trumpf. Aber wie sicher ist es, dass mein Partner den Stich bekommt?


Bin ich Re mit Doppel-Dulle (DD), bekommt die Redame meines Partners sicher den Stich (z.B. wenn ich eine Karo10 oder einen Fuchs mit Re-Ansage ausspiele und meinem Partner so die DD zeige).

Randbemerkung: Das Ausspiel einer Karo10 oder eines Fuchses ohne Ansage ist ein reines Verzweiflungsausspiel. Rückschlüsse auf die Parteizugehörigkeit des Ausspielers oder die Verteilung der Dullen sind darin nicht enthalten. Das Blatt sieht dann eher so aus:


Bin ich Kontra mit DD, bringe ich mit Sicherheit Re ans Spiel, da verbietet sich das Trumpfanspiel eigentlich von selbst.


Habe ich selber eine Dulle, ist die Wahrscheinlichkeit wieder gegen mich: zwei Gegner und ein Partner sitzen hinter mir, aber nur eine Dulle.

Habe ich keine Dulle, ist die Wahrscheinlichkeit für eine Dulle beim Partner wieder größer.

Also Trumpf-Ausspiel, wenn ich keine Dulle habe…? Irgendwie ist doch die Re-Partei dann wieder im Vorteil mit den Kreuzdamen, wenn eine Dulle schon mal weg ist, kontrolliert sozusagen das Spiel.

Es gibt ja (vielleicht deshalb?) auch immer noch den Spruch „Re spielt Trumpf, Kontra schiebt an“. Aber es gibt eine viel sinnvollere Überlegung:

Beim Normalspiel sind 26 Trumpfkarten und 22 Fehlkarten im Spiel. Im Schnitt hat davon jeder 6,5 Trumpf und 5,5 Fehl. Aufgrund der Alten hat Re im Schnitt 6,74 und Kontra 6,26 Trumpf. Habe ich selbst überdurchschnittlich viele Trumpfkarten (>7 Trumpf) erhalten, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass alle anderen Mitspieler unterdurchschnittlich viele Trumpfkarten halten.

Und selbst wenn ich bei Trumpfanspiel nicht meinen Partner treffe: Ich reduziere die Anzahl der im Spiel befindlichen Trümpfe, außerdem werden so gerade zu Spielbeginn hohe Trümpfe (des Gegners?) gelockt. Und meine eigene Trumpflänge könnte gegen Ende des Spieles spielentscheidend werden, wenn die Gegner trumpfarm sind und keinen Stich mehr machen.

Unabhängig von der Parteizugehörigkeit bringt mir ein Trumpfanspiel also nur bei einem guten Blatt mit überdurchschnittlicher Trumpflänge und möglichst auch Trumpfhöhe eher Vor- als Nachteile.


Trumpfausspiel könnte sich auch dann lohnen, wenn man z.B. eine schwarze Farbe sticht: Trumpfanspiel bringt sehr oft Klarheit, wer mein Partner ist, weil eine Alte fällt, eine Ansage getroffen wird (wer am Stich ist und Asse fahren kann, trifft ja am ehesten eine Ansage). Und ich könnte dann bei Anspiel meiner Stechfarbe je nach Parteizugehörigkeit stechen oder abwerfen.

Vier Herz auf der Hand – Herz anspielen, um diese Farbe zu klären? Mindestens ein Spieler sticht, vermutlich sogar mit Fuchs. Stechen zwei Spieler, ist Fuchs wo? Eher beim Gegner, denn es sitzen ja 2 Gegner und 1 Partner hinter mir. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Gegner den Stich macht (und vielleicht weitere Asse ausspielt oder eine Ansage macht) liegt bei 2:1.

Fazit: Lieber so lange Farben nicht anfassen.


Welchen Fehl also: Ideal ist ein Single in den schwarzen Farben, denn je nachdem wie die Karten fallen, kann ich im 2. Lauf vielleicht mit Fuchs stechen. Herzschub hat meistens den Hintergedanken, dass damit die unsicherste Fehlfarbe (es gibt nur 6 Herz im Spiel) geklärt und dadurch eine Ansage leichter zu treffen ist. Da mehr Re- als Kontraansagen getroffen werden, ist bei Herzanschub wieder leichter Vorteil für die Re-Partei gegeben.

Was schieben bei zwei Karten von jeder Fehlfarbe…guter Rat ist teuer. Schau mal, ob eine Fehlkarte doppelt ist und nimm dann diese. Ansonsten als Kontra vermutlich die höhere Karte einer schwarzen Farbe, als Re die niedrigere oder Herz.

Natürlich hast du bei Fehlanspiel auch keine Gewähr, dass dein Partner ans Spiel kommt, aber er schont seine hohen Trumpf, die später im Spielverlauf nötig sein können.


Habe ich lauffähige Asse, spiele ich die und entscheide dann erneut, je nachdem wie diese Asse bedient wurden. Dazu erfährst du in den folgenden Kapiteln mehr.

Ausnahmen bestätigen die Regel! Sagt jemand vor Ausspiel Re oder Kontra, zeigt er damit an, dass du ihn sicher über Trumpf anspielen kannst. Dann spiele ich als Partner ohne gute Asse grundsätzlich Trumpf an, als Gegner grundsätzlich Fehl.




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