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Absagen

Im Kapitel Ansagen haben wir festgestellt, dass die Anforderungen für eine Erstansage relativ niedrig sind. Dies solltest du unbedingt im Hinterkopf behalten für weitere Absagen.

Faustregel Nr. 18:

Für eine k9-Absage solltest du selbst mit großer Sicherheit als Re eigene 75-80 Augen, als Kontra eigene 65-70 Augen zusätzlich zur Ansage deines Partners mitbringen.


Und zwar in zweierlei Hinsicht: Dein Partner will das Spiel nicht allein, sondern gemeinsam mit dir gewinnen. Er rechnet dir ohnehin ein durchschnittliches Blatt zu. Also brauchst du genügend eigene Stärken für eine k9-Absage. Ebenfalls eigene 75 Augen (re). Als Kontra hast du es etwas leichter. Dein Partner rechnet bei dir ebenfalls ein durchschnittliches Blatt mit rund 50 Augen zu. Rechnet schon selbst mindestens 85 Augen zu machen. Da reichen dir schon eigene –sichere- 65/70 Augen für eine k9-Absage.

Für Kontra und Re gilt dabei gleichermaßen: du darfst keine Stiche einrechnen, die dein Partner vermutlich bei seiner Berechnung einkalkuliert hatte.

Ganz profanes Beispiel: Ich steche Pik (40-50 Augen). Mein Partner spielt Pikass aus. Da muss ich neu berechnen. Denn das Pikass hat der Partner ja schon mit 25 Augen einkalkuliert, Pikfrei ist nur noch die Hälfte wert. Allerdings habe ich jetzt die Möglichkeit abzuwerfen und so mein eigenes Blatt wiederum aufzuwerten….reicht es noch für eine Absage? In den meisten Fällen schon, aber Sicherheit geht vor!

Oder: Spielt dein Partner hintereinander 3 Asse, basiert seine Ansage wahrscheinlich auf diesen Stichen. Da muss dein Blatt eher Trumpfstärken mitbringen.
Video: Sicherheit geht vor

Umgekehrt: Spielt Partner Trumpf, basiert seine Ansage eher auf Trumpflänge /-höhe. Dann sind lauffähige Asse bei dir eine gute Ergänzung, wenn du ans Spiel kommst, nicht wahr?
Video: Absage durch optimale Ergänzung möglich

Eine echte Ergänzung des Partnerblattes ist dagegen immer die Trumpflänge. Da kaum jemand mit weniger als 6 Trumpf eine Ansage tätigt, steigt ja die Wahrscheinlichkeit, dass bei eigener Trumpflänge die Gegner eher unterdurchschnittlich in Trumpf bestückt sind. Verbunden mit Trumpfhöhe und positivem Verlauf der ersten beiden (Fehl-?)stiche erhöht sich eher die Sicherheit für eine Absage.

Wobei wir bei einem wichtigen Kriterium sind: Die Sicherheit. Es geht nämlich um erheblich mehr Spielpunkte. 2 Punkte für die Erstansage, 1 für die Absage, 1 für das höhere Spielziel – bei tieferen Absagen steigert sich das noch. Da sollte man sich schon zu ca. 90% sicher sein, dass man auch unter den erschwerten Bedingungen das Spielziel erreicht. Sonst ist es den Extrapunkt einfach nicht wert. Fällt dir die Steigerung auf? Ein einfache Ansage kannst du schon machen, wenn du dir halbwegs sicher bist – für die k9-Absage reicht das längst nicht mehr. Weil das Spiel als solches einfach zu viel Punkte kosten kann. Und dann kommt nach dem Spiel der Streit: war das Re berechtigt, die k9 nicht oder umgekehrt...

Wie gut, dass du relativ lange Zeit hast, dir die Absage(n) zu überlegen. Und den Spielverlauf zu berücksichtigen. Denn meist wird aus den ersten Stichen auch deutlich, auf welche Stärken der Partner seine Ansage gründete.
Video: Keine 9 mit nur 5 Trumpf?

Bei einer Absage solltest du aber noch mehr Faktoren einkalkulieren, denn dein Bestreben ist ja, deine guten Karten auch auszureizen, aber nicht zu überreizen:

a) Wer ist dein Partner. Je öfter du mit einem bestimmten Spieler spielst, desto besser lernst du seine Spielstärke, seine Spielweise einzuschätzen. Beachtet er die Faustregeln? Oder spielt er (immer noch) nur nach seinen eigenen Karten. Trifft er oft knappe Ansagen oder nur, wenn er ausgesprochen starke Blätter hat. Einen guten Spieler zeichnet nicht nur aus, alle Kniffe und Taktiken zu beherrschen, ein guter Spieler berücksichtigt die Spielstärke seiner Mitspieler. Und versucht deren Fehler auszugleichen. Faustregel 18 gilt, wenn der Partner selbst gut spielt. Ist dein Partner dagegen Risikospieler oder „Feignase“, brauchst du für eine Absage entsprechend mehr oder weniger eigene Augen mitzubringen.

b) Kein Respekt vor den Alten: Wenn du dir die Spielergebnisse einmal in der Analyse anschaust, was fällt dir auf? Es werden wesentlich mehr Absagen von Re verloren. Und es gibt viele Spiele, die Kontra haushoch gewinnt, wo aber selten abgesagt wird. Re neigt zur Selbstüberschätzung, Kontra dagegen hat einen tiefverwurzelten Respekt vor den Alten. Du hast bei den Ansagen gelernt: Re mit mindestens 75 Augen, Kontra mit mindestens 85 Augen. Für ein sicheres k9 brauchst du bei als Re also eher selbst mindestens 75-80 Augen, für ein sicheres k9 bei Kontra reichen schon 65-70 eigene Augen.

Video: Nerven bewahren - auch wenn es mal schlecht läuft!

Noch mehr Respekt vor den Alten gibt es bei einer Hochzeit, immerhin werden ja 83% der Hochzeiten gewonnen. Aber: Eine Statistik bezieht sich auf viele Spiele, nicht auf das konkrete Spiel! Lass dich also nicht von irgendwelchen Zahlen abschrecken, sondern konzentrier dich immer wieder auf das gerade laufende Spiel.
Video: Sieg mit Schönheitsfehler

Für tiefe Absagen sind sowohl die Trumpfverteilung als auch die Fehlverteilungen gleichermaßen zu klären! Das wird zu oft vergessen:
Video: Überzogene Absage oder einfach falsch gespielt?

Wenn man die Ausführungen der ersten Kapitel verinnerlicht und zugleich gelernt hat, gegenseitig Informationen auszutauschen, entwickelt man mit der Zeit ein Kartengedächtnis. Manche haben es von Haus aus, aber mit etwas Übung und Konzentration kannst du es auch leicht erlernen. Dies wird gerade bei tieferen Absagen (k6, k3, schwarz) wichtig.

Bei tieferen Absagen empfehle ich dir auch eine andere Kalkulation: Welche Stiche mit maximal wie viel Augen kann der Gegner noch machen? Welche Fehl gibst du noch ab? Welche Damen/Dullen des Gegners werden einen Stich machen? Gefährlich wird da übrigens gerade eine ungleiche Trumpfverteilung. Wenn einer der Gegner ein Nullblatt hat, kann dieser fast immer auf Stiche des Partners buttern. Es gibt nur 22 Fehlkarten im Spiel, aber die haben zusammen 130 Augen….

Hältst du dir dann noch vor Augen, dass die Absagen den Spielwert (die Spielpunkte bei Gewinn/Verlust des Spieles) extrem steigern, wird dir ganz schnell klar: Sicherheit geht vor!

Die k6-Absage muss man erst machen, wenn man seine 4. Karte legt. Mindestens drei volle Stiche – ein Viertel der Karten – sind schon weg. Welche Trumpfstiche mit welchen Damen/Dullen kann der Gegner noch machen? Pro abzugebenden Trumpfstich solltest du 20-30 Augen kalkulieren. Welche Fehlkarten gebe ich noch ab? Auch Asse sind hier als Abgeber zu rechnen, wenn man nicht sicher ist, dem Gegner die Trümpfe zu ziehen. Und das kann ungeplant teuer werden. Deshalb sollte es mehr als wahrscheinlich sein, dass man sein erhöhtes Spielziel auch erreicht.

Das ist kein Grund, nervös zu werden! Wenn dein Partner k6 oder mehr ansagt, spiel konsequent mit und nicht gegen ihn. Bist du unsicher: Hände weg vom 2. Lauf einer Farbe, Trumpf ist die Seele vom Spiel. Der Partner vertraut dir und deinem Partnerspiel.

Tiefe Absagen sind auch für die Gegenpartei eine Chance. Sie haben nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen. Doppelkopf profitiert von den Fehlern der Spieler. Gerade wenn jemand nervös wird. Definitiv kein Fehl darfst du mehr anspielen, wenn dein Partner schwarz abgesagt hat – der hat keine Fehlabgeber mehr. Unterstütze ihn in Trumpf solange es geht.
Video: Kein Schwarzspiel aus dem Lehrbuch

Wer sich die Beispiele genauer anschaut, merkt: Wenn eine tiefe Absage verloren wird, dann entweder weil der Absager sich selbst bzw. sein Blatt überschätzt oder weil jemand die Nerven verloren hat. Beides zusammengefasst umschreibt man mit Spielstärke.

Bevor du selbst tiefe Absagen tätigst, trainiere deine Nerven. Und beobachte deine Mitspieler genau. Wer spielt „gut“, wer beachtet die Faustregeln. Und wer spielt nur nach seinen Karten. Du selbst kannst nur mit gutem Beispiel vorangehen. Die Faustregeln, die dir im Moment vielleicht noch fremd sind, werden dich bei konsequenter Anwendung zu einem verlässlichen Spieler machen. Mit dem man gerne spielt, mit dem man sich Absagen traut. Das wird dich vor ganz neue Herausforderungen stellen. Du wirst dir deinen Ruf (als verlässlicher Spieler) erwerben und ihn verteidigen.

Wenn du neue Spieler am Tisch hast und deren Spielweise beobachtest, findest du schnell heraus, ob sie verlässlich spielen. Wenn nicht – plane immer eine Sicherheitsstufe bei den Absagen ein. Lieber einen Punkt weniger als das Spiel verlieren.




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